Die Hortich Stiftung zu Aken.
von Peter Wieske, Dezember 2025
Die erste Erwähnung der Stadt Aken an der Elbe fand im Jahr 1162 in einer Urkunde von Erzbischof Wichmann in Magdeburg statt. Zuvor gab es bereits eine Ansiedlung um die westlich gelegene Burg Gloworp, die aber in Auseinandersetzungen mit den Wenden zerstört wurde. Die endgültige Gründung erfolgte dann unter der Regierung des Markgrafen Albrecht des Bären.

In dieser Zeit siedelten sich im Elbe-Mulde-Saale-Dreieck vielerorts flämische Kolonisten aus dem Niederrhein an. Eine der neuen Siedlungen nannten sie Aken – in Erinnerung an die Kaiserstadt am Rhein. Die Siedlung wurde als Stadt geplant, die Straßen wurden wie ein Schachbrett rechtwinklig angelegt. Neben Ackerbau, Viehzucht und Bierbrauerei erlaubte die Elbe auch den Handel mit Getreide und Holz sowie Fischfang. Von der Bedeutung dieser neuen Siedlung zeugen die 2 großen Kirchen im romanisch/gotischem Stil , die noch heute existieren.
Die kleinere Nicolaikirche ist vermutlich zusammen mit der Stadt erbaut worden. Die größere Marienkirche ist ab 1188 entstanden und diente bis in unsere Zeit als Stadt- und Marktkirche. Sie war bis Mitte des 20. Jhdt. das Zentrum der evangelischen Gemeinde, ist aber heute ein beliebter öffentlicher Veranstaltungsraum. Beide Kirchen gehörten zum Erzbistum Magdeburg und waren damit auch den jeweiligen Machtkämpfen in den Zeiten der Reformation ausgesetzt. Das Domkapitel in Magdeburg war oberste Instanz für die Kirchengemeinde. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 war Aken endgültig protestantisch geworden, aber die Zeiten blieben unruhig – besonders während des Dreißigjährigen Krieges. In dieser Zeit wurde die Hortich Stiftung gegründet.
Von 1611 – 1618 war Kilian Hortich als Pastor in St. Marien tätig. Er war vorher Diakonus und hatte die Ernennung durch den Domdechanten in Magdeburg erhalten. Das war im Widerspruch zum Rat der Stadt Aken erfolgt und führte entsprechend zu viel Streit, der 1618 zum Verweis aus der Stadt führte.
Über den Verbleib von K.Hortich ist wenig bekannt.
Die Stiftung ist im Besitz eines Buches über Predigten von K. Hortich aus dem Jahr 1619, welches in Wittenberg herausgegeben ist.
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Die Stiftung selbst wurde am 8. Juli 1609 (dem Kilianstag) von 35 Akener Bürgern und ihm gegründet mit der Maßgabe, dass jeder 6 Jahre lang jährlich 1 Taler einzahlte. So sollte ein Kapital von 600 Talern angesammelt werden, von dem dann Zinsen zu Stipendien für die Söhne und Nachkommen der Stifter verwendet werden sollten. Als Stipendium sollten 30 Taler pro Jahr für 3 Jahre gewährt werden.
Die Grundsätze der Stiftung sind von K.Hortich in einem 360-seitigen Buch , gedruckt 1616 in Wittenberg, veröffentlicht worden . Es befindet sich im Archiv der Stiftung und ist noch heute Richtschnur des Handelns. In der Folge ist von dem Geld der Stiftung reger Gebrauch gemacht worden – es wurden sogar Kredite an Nachbargemeinden gegeben. Als Sicherheit wurden u.a. auch Ackerstücke genannt (Aken war eine Ackerbürgerstadt).
So hat beispielsweise 1663 Ernst Gehse für 50 Taler als Sicherheit seinen Acker am Burglehen gegeben. Über mehrere Zwischenschuldner übernahm die Stiftung 1688/89 den Acker als „Stipendienhufe“ in Eigentum. Diese 6 ha + 62,25 ar sind bis heute im Besitz der Hortich Stiftung und haben wesentlich dazu beigetragen, daß die Stiftung noch nach mehr als 400 Jahren lebendig ist.
Dieser Grundbesitz war allerdings in Laufe der Zeiten Ursache vieler Auseinandersetzungen mit der jeweiligen Obrichkeit.
So wurde 1714 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm I die Hufe beschlagnahmt, um sie schwäbischen Kolonisten zuzuweisen. Ein Zwangsverkauf konnte verhindert werden und eine Pachtzahlung von 30 Talern durch die Schwaben wurde vereinbart. Auch Im Siebenjährigen Krieg 1759 wurden von der Stipendienhufe erhebliche Kriegslasten gefordert. Das setzte sich von 1806 – 1813 , während Napoleons Herrschaft fort, insbesondere im Königreich Westphalen.
Auch die beiden Weltkriege forderten hohe Kriegslasten, wobei das Ende des II..Weltkriegs eine Enteignung durch die NSDAP als „Kirchengut“ abermals verhinderte. Das Oberlandesgericht in Naumburg hatte verfügt, dass die Äcker bis zum 1.Januar 1943 zu verkaufen sind!
In der nun nun folgenden Zeit der DDR wurde der Druck auf kirchliche Aktivitäten größer. Die Stiftung wurde daher vom jeweiligen Pfarrer ohne öffentliche Aufmerksamkeit verwaltet. Ein letzter Vierherr wurde noch 1954 ernannt, danach fanden keine offiziellen Aktivitäten mehr statt, da zwei der Vierherren inzwischen in West-Berlin lebten. Im Rahmen der Zwangskollektivierung wurde die Stipendienhufe Teil einer LPG; die geringen Pachteinnahmen gingen zusammen mit anderen Pachten an das Kirchenbüro, doch die Hortich Stiftung ruhte.
Nach der Wende1989 wurde zunächst das ausgelagerte und teilweise zerstörte Kirchenarchiv geordnet und damit auch die Unterlagen der Hortich Stiftung gerettet. 1994 begannen auf Veranlassung des Konsistoriums der Kirchenprovinz Sachsen die Nachforschungen nach dem Verbleib der Stiftung. Auf Grund der Existenz eines Vierherren und des Originals der Urschrift von Kilian Hortich aus dem Jahre 1619 bestätigte das Landesverwaltungsamt in Halle am 30.05.2006 die Existenz der Stiftung und dass die Satzung vom 8.Juli 1609 Bestand hat.
Seit dieser Zeit ist die Hortich-Stiftung wieder aktiv und ist aufgrund der Pachteinnahmen auch wieder in der Lage, Stipendien zu vergeben.
Um den Anforderungen der Neuzeit zu genügen, hat sich die Stiftung im Jahr 2025 eine moderne Satzung auf der Basis der Urschrift von 1609 und der Ergänzungen im Laufe der letzten 400 Jahre gegeben.

400 Jahrfeier am 11.7.2009 in Aken (vl.n.r.) Peter Wieske, Eberhard Friedrich, Clemens Groth


